Was ist Geo-Arbitrage?

Das Konzept hinter dem Begriff „Geo-Arbitrage“ überzeugt durch seine Einfachheit:
In einem einkommensstarken Land verdienst du Euro oder Dollar, welche du in einem Land mit niedrigerem Preisniveau ausgibst, mit dem Ziel am Monatsende mehr Geld zur Verfügung zu haben.

Warum wird das Konzept immer populärer und wer profitiert davon? Schaue dir die Einzelheiten dazu an und lerne nicht nur Vorteile, sondern auch die Schattenseiten der Geo-Arbitrage kennen.


1. Definition der Begriffe Geo und Arbitrage

Was bedeutet „Geo“?

Der Begriff „Geo“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet Erde (γῆ  „Erde“). Geo ist auch eine Vorsilbe mit Bezug auf die Erde. (Quelle: Wikipedia)


Was bedeutetArbitrage“?

Der Begriff „arbitrage“ kommt aus dem Französischen und hat einen lateinischen Ursprung: arbitratus „Gutdünken, freie Wahl, freies Ermessen“). In der Wirtschaft wird unter Arbitrage die ohne Risiko vorgenommene Ausnutzung von Kurs-, Zins- oder Preisunterschieden zum selben Zeitpunkt an verschiedenen Orten zum Zwecke der Gewinnmitnahme verstanden. (Quelle: Wikipedia)

Geo und Arbitrage

2. Was heißt Geo-Arbitrage?

Übertragen wir die beiden Definitionen, wird darunter das Ausnutzen von weltweit unterschiedlichen Preis-, Währungs- und Lohnniveaus verstanden. In einem Land mit starker Währung verdienst du dein Geld, um dieses in einem anderen Land mit einem niedrigen Lohn- und Preisniveau auszugeben. Du verdienst also Euro oder Dollar in einkommensstarken Ländern wie Deutschland und bestreitest deinen Lebensunterhalt beispielsweise in Thailand, Indonesien oder Mexiko. Die Kosten für den Lebensunterhalt wie Unterkunft, Bekleidung, Verpflegung, etc. sind dort um ein Vielfaches geringer.


3. Welche Länder kommen infrage?

Welche Länder nun infrage kommen hängt von einigen Faktoren wie Infrastruktur, Klima etc. ab. Natürlich spielt auch deine persönliche Vorliebe eine Rolle. Schaust du nur auf die Lebenshaltungskosten findest du eine Auswahl der zehn günstigsten Länder in der nachfolgenden Tabelle. Deutschland selbst liegt auf Platz 106 von 139 Ländern. Norwegen, Schweiz und Bermuda sind die Länder mit den höchsten Lebenshaltungskosten.


4. Was bringt mir Geo-Arbitrage?

Der Vorteil des Konzepts ist so einfach wie naheliegend: Du verdienst mehr und gibst weniger aus. Durch das gezielte Ausnutzen dieser Preis- und Währungsunterschiede kannst du dir mitunter einen Lebensstil leisten, den du dir zum Beispiel in Deutschland nicht leisten könntest.

Hier ein paar Ideen, was du mit dem Geld anstellen könntest:

  • Du kannst dir einen luxuriöseren Lebensstil leisten.
  • Du kannst das Geld für einen lang gehegten Wunsch oder eine Anschaffung sparen.
  • Du kannst das Geld nutzen um dich (ortsunabhängig) selbstständig machen.
  • Du kannst als Rentner auswandern und unter der Sonne dein Leben genießen, auch wenn deine Rente nicht sehr hoch für das Leben im Heimatland ausfällt.

Deine ortsunabhängige Selbstständigkeit

Mit Hilfe der Geoarbitrage kannst du versuchen dich selbstständig zu machen und dein Geld ortsunabhängig als Freelancer oder Online-Entrepreneur verdienen. Dieser Traum kann vielleicht dadurch schneller Wirklichkeit werden. Denn normalerweise braucht es eine Weile, bis du als Freelancer oder Online-Entrepreneur zuverlässig Geld verdienst. Bis du dir die erforderlichen Fähigkeiten angeeignet hast, die eigene Webseite mit Angebot steht, bis du dir einen Kundenstamm aufgebaut hast und so weiter, dauert seine Zeit. Vor allem aber auch Durchhaltevermögen, denn der Aufbau eines eigenen Online-Business ist kein Sprint, sondern ein Marathon.

Da es in diesem Fällen meist keine Rolle spielt, wo du dich tatsächlich aufhältst, kannst du vielleicht fokussierter an den Aufbau deiner ortsunabhängigen Selbstständigkeit herangehen. Mit dem Wissen, dass deine laufenden Kosten geringer sind und sich in Grenzen halten, nimmt das den Druck etwas aus dem Vorhaben heraus. Das Leben eines digitalen Nomaden rückt schneller in greifbarer Nähe, auch wenn dein Business gerade am Anfang noch nicht ganz so viel Geld einbringt.  


Outsourcen mit Hilfe von Geo-Arbitrage

In Tim Ferris 4 Stunden-Woche wird dem Leser sehr anschaulich dieses Prinzip erläutert:

Das Outsourcen von geschäftlichen oder auch persönlichen Aufgaben in Länder mit niedrigeren Lohnkosten. Im Buch beschreibt Ferris wie virtuelle Assistenten in Indien leichte Recherchetätigkeiten übernehmen oder auch administrative Tätigkeiten schnell und wohlwollend für den Auftraggeber erledigen. Selbst bei persönlichen Angelegenheiten wie Geschenke für die Partnerin, die mit passender Nachricht versehen werden, gibt es prinzipiell keine Grenzen.

Oft sind die Fachkräfte gut ausgebildet, sprechen gutes Englisch und sind zuverlässig. Welche Dinge bei der Aufgabenverteilung zu beachten sind, können auch im Buch nachgelesen werden. Fakt ist aber, dass der Stundenlohn des Online-Entrepreneurs ein Vielfaches höher ist als der von einem virtuellen Assistenten. Dadurch kann er zeitraubende und einfache Tätigkeiten abgegeben und sich selbst auf produktivere und strategischere Arbeiten konzentrieren.

Dennoch möchte ich hier nicht verschweigen, dass durchaus auch heftige Kritik an diesem Business-Modell angebracht wird. Siehe dazu nachfolgend auch den Abschnitt Nachteile.


5. Nachteile der Geo-Arbitrage

Klingt doch alles ganz einfach. Siehst du dich auch schon irgendwo am Strand in der Hängematte liegen und überlegst dir, wie du Geo-Arbitrage effizient nutzen kannst? Bevor du deine Pläne schmiedest, wollen wir auch die Nachteile betrachten:

  • Für deine Reisen benötigst du mitunter kostenpflichtige Visa, Auslandskrankenversicherung, Flugtickets etc. Es entstehen zusätzliche Kosten, die du in Deutschland nicht unbedingt aufbringen müsstest, und insgesamt nicht außer Acht lassen solltest.
  • Neben den eben genannten Kosten fallen auch andere Ausgaben für deine Wohnsitzverlagerung an. Dabei ist es unerheblich, ob du für einen gewissen Zeitraum Deutschland verlassen oder permanent Auswandern willst. Zusätzliche Kosten schmälern erstmal den finanziellen Vorteil der Geo-Arbitrage und deine finanziellen Rücklagen.
  • Die Länderwahl: Es gibt zum Teil auch innerhalb einzelner Kontinente erhebliche Unterschiede, die du unbedingt vorher recherchieren solltest. Nicht jedes Land in Asien oder Südamerika hat per se niedrige Lebenshaltungskosten und ist für dich geeignet.
    Daneben sind die Standards in den Ländern immer unterschiedlich und nicht mit Industrieländern zu vergleichen. Achte zum Beispiel auf die Internet-Geschwindigkeiten, wenn du online Geld verdienen willst. Welche klimatischen Bedingungen herrschen vor Ort? Wie sehen die Standards bei den Unterkünften aus, wenn du nicht im Luxushotel übernachten wirst?
  • Beim Outsourcing ist auch darauf zu achten, dass es dir letzten Endes eine Zeitersparnis für banale Tätigkeiten einbringt. Verbringst du deine kostbare Zeit allerdings mit der Überwachung der Virtuellen Assistenten, oder musst du im Krankheitsfall für Ersatz sorgen, die wieder neu eingearbeitet werden muss, kann das mit der Zeitersparnis wieder ganz anders aussehen.
  • Dass Virtuelle Assistenten in Entwicklungsländern oft mit ihrem Einkommen eine komplette Familie versorgen und menschenunwürdig ausgenutzt werden, ist immer wieder in der Kritik. Hier sollte sich jeder seiner eigenen Verantwortung bewusst sein, sich selbst eine Meinung zu bilden und am Ende auch nicht um jeden Preis feilschen.
  • Arbeiten wo andere Urlaub machen? Beziehungsweise Reisen und Arbeiten miteinander verbinden? Wenn du in einem „9-5 Job“ dein bisheriges Arbeitsleben verbracht hast, ist der Gedanke auszureißen vielleicht schön. Aber ist das Reisen und das gleichzeitige Arbeiten als digitaler Nomade, Online-Unternehmer oder Freelancer langfristig wirklich etwas für dich ist? Hast du die erforderliche Disziplin und das Durchhaltevermögen?
    Bevor du dich auf eine lange Reise begibst oder dir gleich einen neuen Wohnort suchst und deinen bisherigen Job kündigst, solltest du dir das gut überlegen und eventuell das Modell eine Zeit lang testen.

6. Schlussfolgerung

Das Konzept besticht durch seine Einfachheit: Durch die effiziente Ausnutzung der weltweit unterschiedlichen Lohnniveaus und Lebenshaltungskosten, kannst du mehr Lebensqualität gewinnen, ohne dafür mehr Geld erzielen zu müssen.

Da es bei der Geo-Arbitrage sowohl Vor- und Nachteile gibt, solltest du alle Seiten gut durchdenken und durchrechnen:

Bringe ich die erforderliche Disziplin mit als digitaler Nomade, Freelancer oder Online-Unternehmer dauerhaft mein Geld zu verdienen? Will ich das wirklich?

Wie groß ist mein tatsächlicher finanzieller Gewinn? Kann ich das niedrigere Lohnniveau für mein Fortkommen im Business oder meiner Selbstständigkeit nutzen? Je länger der Aufenthalt in Niedriglohnländer dauert, desto eher lohnt sich die Ausnutzung der Geo-Arbitrage.

Bist du dir auch deiner sozialen Verantwortung bewusst? Inwieweit kommt das Outsourcing für dich infrage? Gibst du etwas zurück, indem du einen Beitrag in Form von höherem Stundenlohn, Trinkgeldern im Restaurant leistest, oder die lokale Bevölkerung anders unterstützt?

Diese und andere Fragen muss jeder für sich selber beantworten. Wie so oft gibt es keine Standardlösung für alle; kein richtig oder falsch.

2 Kommentare

  1. Hallo Bettina, vielen Dank für deinen interessanten Beitrag. Ich habe mir überlegt, ob es Sinn macht Geo-Arbitrage mit zwei Körperschaften zu machen. Beispiel: Ich habe eine Operative GmbH A in Deutschland und eine Vermögensverwaltende GmbH B mit einem kleinen Gewerbe für Geschäftsbesorgungen in einem Niedrigsteuerland. Um die Gewinne von A nach B zu bringen beauftragt die GmbH A die GmbH B mit Aufträgen wie Buchführungen, Gutachten Recherche etc. Hast du Erfahrungen mit solchen Arbitrage-Modellen?

    1. Hallo Eduard, vielen Dank für deinen Kommentar. Es ist ein spannendes und vielseitiges Thema. Geo-Arbitrage nutzen größere Firmen / Konzerne vor dem Hintergrund ein steueroptimales Setup im Ausland aufzusetzen. Gerade für zum Beispiel die Erledigung der Buchführung wird ein Shared Service Center im Ausland mit niedrigerem Lohnniveau gegründet. Hierbei müssen neben den Steuern ja auch rechtliche Komponenten geprüft werden, z.B. welches Land kommt infrage, es muss auch bei einer kleinen Gesellschaft vor Ort Substanz geschaffen werden, wer ist vor Ort und erledigt diese Dinge (qualifiziertes Personal – z.B. sollten für die Buchführung fundierte Kenntnisse im HGB vorhanden sein), welche Rechtsform sollte es sein und welche rechtlichen Voraussetzungen müssen im Ausland berücksichtigt werden.
      Sollte deine „GmbH B“ (vereinfachend bleiben wir bei „GmbH B“ auch für eine ausländische Gesellschaft mit anderer Rechtsform) bereits in Deutschland diese Aufgaben übernommen haben und du willst diese jetzt ins Ausland verlegen, ist auch zu prüfen, ob eine Funktionsverlagerung stattgefunden hat. Diese zieht nochmal weitere steuerliche Konsequenzen mit sich, da der Fiskus der Ansicht ist, dass Steuersubstanz in diesen Fällen aus Deutschland heraus gebracht werden soll. (Ich werde hierzu mal einen Blogartikel verfassen und auf die Risiken genauer hinweisen. Da mein Blog noch jung ist, habe ich noch einige spannende Themen, die ich verbloggen kann. 🙂 )

      Sollte am Ende dein Setup stehen, ist in jedem Fall auch auf den Fremdvergleichsgrundsatz zu achten. Die Abrechnungen zwischen beiden Gesellschaften ist dann tatsächlich so zu vollziehen, als ob deine GmbH A mit deiner „GmbH B“ wie mit einem fremden Dritten Geschäfte abwickelt. Du willst ja Aufwand aus dem Ausland in Deutschland geltend machen. Damit die Finanzverwaltung dies akzeptiert, muss der Aufwand auch angemessen sein – also darf er nicht zu hoch sein. Das hätte sonst eine niedrigere Steuerbemessungsgrundlage für Deutschland zur Folge, was ohne Beachtung des Fremdvergleichsgrundsatzes korrigiert werden würde.

      Ich hoffe, ich konnte dir einen ersten Überblick geben.

      Viele Grüße,
      Bettina

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