Wie ich wurde, was ich bin: Mein Weg zur Steuerberaterin und zu neuen Zielen

Als Kind wollte ich unbedingt Polizistin werden. Doch mit 14 Jahren war ich bereits zu 99,9% ausgewachsen. Größer wie 1,55m sollte ich auf dieser Welt einfach nicht werden. Klein, aber OHO! Ganz nach diesem Motto habe ich meinen Weg von Zahlen, über dem zur Trockenheit verschrienen Steuerrecht bis hin zu lebendigen Sprachen und ferne Länder gefunden. Eine bunte Mischung, die sich in den Stationen meines Lebens wiederfinden und am Ende sich vereinen.

  1. Ab 1986 Schule: Grundlage für meine Disziplin
    In der Schule hatte ich gute Noten. Mir ist nichts zugeflogen und ich musste immer lernen. Mittags nach der Schule habe ich gleich die Hausaufgaben gemacht und gelernt. Und es gab sofort Nachhilfeunterricht in den Sprachen, bevor schlechte Noten drohten. Hier legte ich wohl (unbewusst) meine Grundlage für Disziplin: Einfach machen. Dranbleiben. Danach ging es zum Spielen.
Einschulungsfoto mit fast so großer Schultüte wie ich 🙂
  1. 1996: Die erste Wahl der Leistungskurse
    Am Ende der 10. Klasse sollte man sich zu den Leistungskursen für die Oberstufe eintragen: Französisch und Mathe waren meine erste Wahl. Während der Sommerferien änderte sich dann meine Meinung und ich tauschte Mathe gegen Englisch. Was war passiert? Ein Schüleraustausch nach Australien in den Sommerferien.
  2. Sommer 1996: Ein Australien-Fan wird geboren
    Auf nach Down Under! Der erste Flug. Die erste lange Reise. Ich lernte durch die Zeit in der Gastfamilie und in der Schule Australier kennen, schloss Freundschaften und eine Camping-Tour zeigte mir die Vielfalt des fünften Kontinents. Land und Leute habe ich bisher vier Mal besucht; weitere Besuche sollen noch folgen. Eine besondere Freundschaft hält sogar bis heute an; seit über 25 Jahren.
Mein erstes Treffen mit Skippy

  1. 1999 – 2002: Abitur und Ausbildung zur Steuerfachangestellten
    Mein Abitur mit den Leistungskursen Französisch, Englisch und Mathe als drittes Prüfungsfach wiesen den Weg: eine Kombination aus „Kopf, Zahlen und Sprache“ waren für mich optimal. Nicht verwunderlich, dass Buchführung und Steuerrecht mir auch Spaß machten. Doch während der Ausbildung war klar, dass ich „mehr“ wollte.
  2. 2002 – 2006 Studium an der Fachhochschule Osnabrück Ich suchte nach einem Studiengang, den doch bitte nicht jeder zweite macht! Das Ergebnis meiner Suche: Wirtschaftsrecht mit der Vertiefung Steuern und Wirtschaftsprüfung. Der Grundstein war bereits gelegt. Steuern mach(t)en mir Spaß. Wirtschaftsenglisch war sogar ein Pflichtfach im Studium. Ich baute meine Stärken weiter aus.
  3. Sommersemester 2004: Pflichtpraktikum bei einer mittelständischen Steuerberaterkanzlei
    Die Tätigkeiten kannte ich teilweise schon aus der Ausbildung. Es zeigten sich mir zwei Dinge: a) Man lernt nie aus und es gibt immer wieder viele, neue Aufgaben. b) Ich stellte fest, dass ich künftig nicht dauerhaft in einer Steuerkanzlei arbeiten wollte. Es passte nicht 100%ig. Wieso hätte ich auch sonst studieren wollen, wenn ich dann wieder zurück in eine Kanzlei gehe?
  4. 2004: Freiwilliges Praktikum – Der Changer
    In meinen Semesterferien habe ich mich um ein freiwilliges Praktikum bemüht. So hatte ich die Möglichkeit, in die Steuerabteilung von B. Braun, ein international tätiger Pharma-Konzern, hereinzuschauen. Ich bekam einen ersten Einblick über die Tätigkeiten und Verantwortlichkeiten. Spannend.
  5. 2006: Diplomarbeit und Abschluss
    Der gegenseitig gewonnene Eindruck zwischen B. Braun und mir war so gut, dass ich mit Unterstützung der Abteilungsleiterin von B. Braun meine Diplomarbeit „Funktionsverlagerung ins Ausland“ geschrieben habe. Seit Sommer 2006 bin ich Diplom-Wirtschaftsjuristin (FH).
  6. 2006: Meinen weiteren Weg gefunden
    Der Grundstein war gelegt. Die Arbeit war spannend und international ausgerichtet. Die Kollegen nett, hilfsbereit und ich habe mich „angekommen“ gefühlt. Nicht nur „hier“, sondern überhaupt konnte ich mir die Arbeit sehr gut vorstellen:
    Abwechslungsreiche Aufgabengebiete – Sprachkenntnisse – nationale und internationale Steuern – herausfordernd – Fachexpertise im Konzernsteuerrecht – Länderübergreifende (Steuer-)Themen
  7. August 2006: Mit Verzögerung ging es in die Konzernsteuerabteilung
    Nun sollte man meinen, dass alles doch glatt verlief. Letztendlich sieht es im Lebenslauf auch so aus. Doch in der Zeit zwischen Diplomübergabe und Arbeitsvertrag ging es noch etwas hin und her: Keine offene und genehmigte Stelle im Konzern. Und wenn es doch klappen sollte, erfülle ich dann die Voraussetzungen, um zur Steuerberaterprüfung zugelassen zu werden? Denn es war ganz klar, dass ich erstmal die Prüfung zur Steuerberaterin ablegen wollte. Es zog sich etwas hin, doch meine Vorgesetzte hat sich für mich und für eine geeignete Verstärkung der Abteilung eingesetzt. Aber Ende gut, alles gut: Die Unterschrift ist seit 16 Jahren unterm Arbeitsvertrag.
  8. 2008 – 2010 Mein nächstes Ziel: Steuerberaterprüfung
    Rund 50 % Durchfallquote – doch meine Entscheidung stand von Anfang an fest. Ich wollte die Prüfung zur Steuerberaterin ablegen; nebenberuflich mit Vorbereitungslehrgängen. Zwei Jahre lernen, lernen, lernen. Verzweiflung und Tränen kamen am Abend nach dem ersten Tag im Vorbereitungslehrgang. Doch ich ging einen Schritt nach dem anderen. Durchhaltevermögen und Disziplin. Das hatte ich ja bereits in der Schule gelernt und hat mich bisher immer ans Ziel gebracht.
  9. 19.04.2010: Übergabe der Bestellungsurkunde
    Mein intensives Lernen und mein Durchhaltevermögen ließen mich am Ende den Erfolg in den Händen halten: Meine Bestellungsurkunde. Es war insgesamt eine enorme Entwicklung: sowohl fachlich als auch persönlich war es ein großer Schritt.
Übergabe der Bestellungsurkunde – Bettina Kuhn
  1. Seit 2010: Syndikus – Steuerberaterin
    Als angestellte Steuerberaterin (Syndikus) habe ich mich auch bei einem Arbeitgeber weiterentwickelt und meine berufliche Stellung etabliert. So habe ich zuerst die steuerliche Betreuung der Konzernobergesellschaft meiner Vorgesetzten unterstützend begleitet. Über die Jahre hinweg habe ich diese Tätigkeit selbstverantwortlich und weitere Aufgabengebiete zum Beispiel die hauptverantwortliche Betreuung der Betriebsprüfungen im Konzern übernommen.
  2. Seit 2010: Nebenberufliche selbstständige Steuerberaterin
    Daneben habe ich auch für einige Privatpersonen die Steuerberatung übernommen. Das hatte mehrere Vorteile: Ich hatte den direkten Kontakt mit den Mandanten und konnte so ein besonderes Verhältnis zu ihnen aufbauen. Um stets eine optimale, persönliche Beratung anbieten zu können, ist es mir wichtig, weiterhin spezifische Themenbereiche nicht nur theoretisch aktuell zu verfolgen. Die Rückmeldungen meiner Mandanten sind sehr positiv, wertschätzend, sie fühlen sich wohl und gut betreut. Ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen Mandaten und Steuerberaterin ist die Basis für eine gute Steuerberatung.
  3. 2018 – 2019: Burn-Out – Weiterentwicklung – Veränderung Mein Burn-Out war rückblickend nicht verwunderlich, denn es kündigten sich vorab einige Zeichen an: Sich ständig gestresst und unter Druck fühlen, Ohrensausen, vor der Arbeit plötzlich in Tränen ausbrechen und andere genügten nicht als Warnsignale. Es musste erst so weit gehen, bis „gar nichts mehr ging“. Die Zeit war (zwangsweise) gekommen, einen Schritt zurückzutreten und die eigene Situation zu reflektieren. Körperliche und geistige Erschöpfung kannte ich so nicht von mir. Es war Ruhe und Geduld gefragt und kleine Schritte nach vorne und zurück. Mir war klar, dass eine Veränderung geschehen musste – sowohl persönlich als auch beruflich. Ein Reha-Aufenthalt über mehrere Wochen hat mir geholfen, mich besser einzuschätzen und vor allem meine Bedürfnisse besser wahrzunehmen.
  4. Juni 2019: Wiedereingliederung
    Gerade am Anfang der Wiedereingliederung in den Beruf musste ich einiges ausprobieren. Festgetretene Pfade zu verlassen, ist oft nicht so einfach. In der Reha hatte ich gelernt, dass ich in einigen Situationen anders (re)agieren musste wie vorher. Ich bin seitdem viel achtsamer mit mir und meinen Bedürfnissen. Schnell wurde mir klar, wenn mir etwas nicht guttat und Energie raubte, Situationen, Menschen, Ernährung, körperliche Anstrengung, dass ich etwas anders machen. Auch einen Schritt zurück und die Situation von außen betrachten hilft oft. Es klappt oft sehr gut, und manchmal darf ich noch üben.
  5. HEUTE: Mein Weg zu neuen Zielen
    Ich habe neue Ziele im Blick, zum Beispiel möchte ich flexibler arbeiten. Die Vorzüge des Homeoffice habe ich kennengelernt. Meine Stärken, eigenverantwortlich und selbstbestimmt zu arbeiten, sollen mich auf eine neue Reise bringen. Die in den letzten Jahren in den Hintergrund getretene „Internationalität“ in meinem Leben soll wieder mehr in die Mitte rücken: Sowohl beruflich durch ein Angebot im Steuerrecht für Auswanderer oder digitale Nomaden als auch privat durch mehr Reisen, die mich zu interessanten Orten und Menschen führen.
The Power Is You! Meine neue Reise hat begonnen

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